Samstag, 14. September 2013

BVB gegen Löw im Fall Hummels


Unverheilte Wunden reißen auf

Borussia Dortmund hadert mit der Entscheidung des Bundestrainers, Abwehrchef Mats Hummels auf die Bank zu setzen. Der BVB meint, Joachim Löw habe grundsätzlich ein Problem mit Dortmunder Spielern. Und speziell mit Hummels, der wie kein anderer das System Klopp personifiziert.
Jürgen Klopp foppt gerne Journalisten, aber in der vergangenen Woche gelang ihm eine für seine Verhältnisse fast schon staatstragende Zurückhaltung. Die unangenehme Frage, was er von der Nichtaufstellung von Mats Hummels bei den beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Österreich (3:0) und gegen die Färöer-Inseln (3:0) halte, parierte der Trainer von Borussia Dortmund erstaunlich gutwillig.

Ein sicheres Zeichen dafür, dass Klopp ein Gelände für vermint hält, wenn er sich allzu frecher Rhetorik erkennbar enthält. Ein süffisantes "So weit waren die Österreicher ja gar nicht vorne, dass man über die Leistung der deutschen Verteidigung etwas sagen könnte" gönnte sich Klopp dann aber doch. Und noch ein vergiftetes Lob: dass er froh sei, dass die deutsche Innenverteidigung gegen die Färöer "so gut gestanden" habe.

Der Stellenwert von Mats Hummels in Dortmund und im deutschen Fußball scheint inzwischen immerhin so hoch zu sein, dass zweimaliges Bankdrücken in der DFB-Auswahl zu einer mittleren bundesweiten Debatte anschwillt. Mats Hummels selbst weigert sich verbissen, die Lage irgendwie zu kommentieren, Jürgen Klopp verkneift sich lästerliche Kommentare zu den Vorgängen weitgehend, und selbst Dortmunds Vorstands-Chef Hans-Joachim Watzke mag über das Thema am liebsten außerhalb des Protokolls sprechen. Irgendwie scheint jeder das Gefühl zu haben: bloß nicht offen irgendetwas sagen, was den Bundestrainer Joachim Löw provozieren könnte.

Eigentlich, könnte man meinen, ist nicht viel passiert. Gegen zwei Gegner, gegen die man zur Not auch ohne gelernte Innenverteidiger klargekommen wäre, hatte der Bundestrainer den seit Monaten starken Jérôme Boateng vom FC Bayern nachvollziehbar nominiert. Neben ihm allerdings den schon länger in die zweite Reihe verdrängten Per Mertesacker vom FC Arsenal in London. "Wenn ich lese", sagt BVB-Chef Watzke, "dass dann nach zwei solchen Spielen mit so schwachen Gegnern von ,neuer Stabilität' in der Defensive die Rede ist, dann ist das lächerlich."

Die These von der neuen Stabilität trifft dabei vor allem den auf die Bank befohlenen Hummels. In Dortmund wird, wenn auch hinter vorgehaltener Hand, Kalkül bei Löw vermutet: gegen harmlose Gegner wie Österreich und die Färöer Hummels aus der Mannschaft nehmen und anschließend die Einschätzung lancieren, dass es doch jetzt super laufe in dieser zuletzt wackelnden Innenverteidigung.

Beim BVB reißt diese Einzel-Abstrafung von Hummels, den zumindest dort viele für einen der drei, vier besten Innenverteidiger Europas halten, unverheilte Wunden auf. Bundestrainer Löw hatte nach dem verlorenen EM-Halbfinale gegen Italien (1:2) schon einmal Hummels zum Sündenbock stempeln wollen; er hatte bei einem Tor in der Tat nicht gut ausgesehen, aber die Fachwelt glaubte die Ursachen eher in Löws eigenwilligen taktischen Maßnahmen zu erkennen. Im vorigen Herbst arbeitete sich Löw dann mit missglückter Rhetorik an Dortmunds Marcel Schmelzer ab, der jetzt gegen die Färöer der letztverbliebene Borusse in der Nationalelf war.

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