Überzeugt hat Dortmund in Mainz nicht, dafür aber gewonnen. Nach zuletzt zwei Niederlagen in der Liga war der Sieg bitter nötig, um den Anschluss an Bayern und Bayer zu halten - und auch, um den Glauben an die eigene Stärke nicht zu verlieren.
Diese Diskussion ist definitiv in Mode, nicht nur in München: Wer schießt die Elfmeter? Die Nachspielzeit war abgelaufen in Mainz. Borussia Dortmund war der glückliche Auswärtssieg nicht mehr zu nehmen, als Robert Lewandowski und Henrich Mchitarjan die letzte Runde des Dortmunder Debattierclubs an diesem Samstagnachmittag einläuteten.
Mehrmals hatte dieser über die gesamte Spieldauer getagt, mit Schiedsrichter Deniz Aytekin oder im engen Zwiegespräch zwischen Trainer Jürgen Klopp und dem vierten Offiziellen. Stets strahlten die BVB-Beteiligten Unzufriedenheit aus, der gesamte Nachmittag in Mainz war zum Hadern. Doch am Ende wurde alles gut. Lewandowski nahm sich den Ball und verwandelte sicher zum 3:1. Bereits das 2:1 hatte er vom Elfmeterpunkt mit einem Schuss in die gleiche Ecke erzielt.
Vor dem zweiten Dortmunder Strafstoß herrschte allerdings zunächst Verwirrung: Mchitarjan hatte sich den Ball bereits auf den Punkt gelegt, er wollte am Spielfeldrand zehn Finger für seine Rückennummer gesehen haben. Klopp hatte jedoch den Daumen eingeklappt - und neun Finger für Lewandowski angezeigt. So hatte es offenbar auch der polnische Stürmer gesehen, entsprechend energisch pochte er auf sein Recht und führte zum Missfallen Mchitarjans den Elfmeter selbst aus. "Das Ding geht komplett auf meine Kappe", sagte Klopp nach der Partie.
Zuvor hatte der BVB-Trainer bereits seinen Mainzer Kollegen Thomas Tuchel um Vergebung gebeten - für den hart erkämpften Sieg: "Er hat zu mir gesagt, wenn ich Anstand habe, sage ich heute: Entschuldigung. Also: Entschuldigung." Nicht ganz so unterwürfig, aber ebenfalls erleichtert äußerten sich Klopps Spieler. "Wichtig ist, dass man den Glauben an sich nicht verliert", sagte Torwart Roman Weidenfeller.
"Wir sind immer noch eine starke Mannschaft"
Inmitten demütiger Dortmunder strahlte Doppel-Torschütze Lewandowski noch am meisten Selbstbewusstsein aus. "Wir haben nicht perfekt gespielt, aber trotzdem drei Punkte geholt", sagte er. "Wir sind immer noch eine starke Mannschaft."
In den vergangenen sechs Bundesliga-Spielen war er fünfmal torlos geblieben. An mangelnder Treffsicherheit hatte es nicht einmal gelegen: Lewandowski benötigt in dieser Saison konstant fünf Schüsse für einen Torerfolg. Er war zuletzt einfach nur noch halb so häufig zum Abschluss gekommen - was beileibe nicht immer nur am Polen lag. Die Mainzer Elkin Soto, der für sein Handspiel zudem die Rote Karte sah, und Torwart Loris Karius, der Erik Durm gefoult haben soll, waren daher willkommene Vorlagengeber mit ihren verschuldeten Elfmetern.
Mainz' Trainer Tuchel bescheinigte dem Gegner anschließend das nötige "Spielglück", das seiner eigenen Mannschaft in den entscheidenden Situationen gefehlt habe. "Aber wir werden es überleben", sagte Tuchel. "Mit der Leistung bin ich rundum zufrieden."
Auf der Gegenseite dämpfte Klopp angesichts der Verletztenmisere beim BVB die Erwartungen für die Wochen bis Weihnachten: "Wir hatten unser Wechselkontingent zur Pause erschöpft. Das ist meistens kein gutes Zeichen." Sven Bender, mit einem Nasenbeinbruch ins Spiel gegangen, musste mit Oberschenkelproblemen raus. Bei Marco Reus machte die Wade zu. Jakub Blaszczykowski klagte über Hüftschmerzen.
Bis zum nächsten Spiel hat die medizinische Abteilung des BVB also eine Menge Arbeit vor sich - viel Zeit bleibt dafür allerdings nicht: Bereits am Dienstag steht das Pokalspiel bei Drittligist Saarbrücken an.
FSV Mainz 05 - Borussia Dortmund 1:3 (0:0)
0:1 Aubameyang (70.)
1:1 Choupo-Moting (74., Foulelfmeter)
1:2 Lewandowski (78., Handelfmeter)
1:3 Lewandowski (90.+4, Foulelfmeter)
Mainz: Karius - Pospech, Bell, Noveski, Park - Geis, Soto - Polter (89. Saller), Zimling (64. Malli), Nicolai Müller (46. Choupo-Moting) - Okazaki
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Manuel Friedrich, Sokratis, Durm - Blaszczykowski (46. Mchitarjan), Sven Bender (32. Sahin), Großkreutz - Aubameyang, Lewandowski, Reus (46. Kehl)
Schiedsrichter: Aytekin
Zuschauer: 34.000 (ausverkauft)
Rote Karte: Soto wegen absichtlichen Handspiels (78.)
Gelbe Karte: Bell (2)

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