26.11.2013 · Selbstbewusstsein oder Pfeifen im Wald? BVB-Chef Watzke macht Mut vor dem richtungsweisenden Champions-League-Spiel gegen den SSC Neapel. Trainer Klopp muss Improvisationstalent beweisen.
Der Stachel der Niederlage gegen den FC Bayern München saß natürlich tief. Dennoch versuchten die Verantwortlichen von Borussia Dortmund, sich selbst, die Mannschaft, aber auch Mitglieder und Fans einen Tag später wieder aufzurichten. Schon an diesem Dienstag (20.45 Uhr im Liveticker bei FAZ.NET) steht die nächste schwere Prüfung an. In der Champions League gegen den SSC Neapel steht der BVB noch stärker unter Druck als jüngst im Ringen um die nationale Vorherrschaft. Dortmund braucht dringend einen Sieg, um vor dem letzten Spieltag zum aktuellen Gruppen-Zweiten aus Süditalien (neun Punkte) aufzuschließen.
Insofern kam ein Termin den Verantwortlichen gerade recht: Zwischen der Niederlage gegen Bayern und dem Spiel gegen Neapel lag die Mitgliederversammlung. Hans-Joachim Watzke, der Vorsitzende der Geschäftsführung, nutzte diese Bühne für eine flammende Rede, die dem Verein Selbstvertrauen einflößen sollte, das auf allen Ebenen verlorengegangen schien. Ungeachtet des Tabellenstandes sei Dortmund - nach Bayern München - „die zweite Kraft im deutschen Fußball, nicht mehr und nicht weniger“. Dies lasse sich aufgrund der Wirtschaftskraft, des sportlichen Erfolges und des großartigen Zusammenhalts „mit Fug und Recht behaupten“.
Großes Vertrauen in das Team
Auch Vereinspräsident Reinhard Rauball, für drei Jahre wiedergewählt, traut der Truppe einiges zu. „Ich habe großes Vertrauen in das Team und seine mentale Stärke“, sagte er. Einmal in Fahrt, wagte sich Watzke auch zum Spiel gegen Neapel vor und formulierte: „Wir können dieses Spiel gewinnen, wenn wir alles aus uns herausholen. Und wir werden dieses Spiel gewinnen, weil die Jungs alles aus sich rausholen werden.“
Zuvor hatte Watzke die Mentalität des Ruhrgebiets als Argument dafür herangezogen, dass die Spieler in der Tradition von Bergleuten und Stahlarbeitern „wieder aufstehen“ und solchen Schwierigkeiten trotzen würden, wie sie sich gegen Neapel vor der Mannschaft und ihrem Trainer auftürmen.
Jürgen Klopp muss abermals die Abwehr umbauen, jenen Mannschaftsteil, der ihm schon länger Kopfzerbrechen bereitet. Zwar hat sich gegen München kein weiterer Spieler verletzt, aber Manuel Friedrich, gerade erst aus dem Vorruhestand geholt, ist für die Champions League nicht spielberechtigt. Vieles spricht dafür, dass der zweikampfstarke Mittelfeldspieler Sven Bender neben Sokratis ins Abwehrzentrum rückt. Andererseits hat Lukasz Piszczek, der rechte Außenverteidiger, zuletzt große Fortschritte gemacht.
Klopp muss improvisieren
Am Samstag hatte Klopp ihn zum ersten Mal nach monatelanger Pause in einem Pflichtspiel eingewechselt und anschließend darüber gestaunt, wie gut der Pole sich einführte. Könnte er von Anfang an spielen, würde das die Möglichkeiten erweitern. Seinem bisherigen Vertreter Kevin Großkreutz, dem vielseitigsten Spieler des Teams, wäre zuzutrauen, auch als Innenverteidiger seinen Mann zu stehen.
So oder so muss Klopp abermals improvisieren. In dieser Disziplin war er schon oft erfolgreich. Angesichts dreier Pflichtspielniederlagen nacheinander ist es aber nicht damit getan, die Mannschaft clever aufzustellen. Es geht auch darum, sie geschickt einzustellen. Also versucht der oft emotionale Trainer, die Ruhe zu bewahren. „Ich werde nun nicht den Druck erhöhen, indem ich sage, davon hängt die ganze Saison ab. Wir versuchen alles, um uns ein Endspiel in Marseille zu verschaffen.“ Der französische Spitzenklub fordert Borussia Dortmund im letzten Gruppenspiel.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen