Dortmund. Den vorzeitigen Abstieg in die Europa League hat Borussia Dortmund verhindert. Nun steht den Westfalen auf dem Weg ins Achtelfinale der Champions League die Zitterpartie am letzten Gruppenspieltag bei Olympique Marseille bevor.
Der Zeugwart des BVB musste Schwerstarbeit leisten. Frank Gräfen hatte am Dienstagabend alle Mühe, genügend saubere Trikots mit der Nummer "6" und Aufschrift "Bender" heranzuschaffen. Denn Nationalspieler Sven Bender hatte gleich in der Anfangsphase des Champions-League-Spiels gegen den SSC Neapel durch einen Schlag von Christian Maggio einen Nasenbeinbruch erlitten, und die Mediziner hatten alle Mühe, die Blutung zu stoppen. Am Ende mussten die Borussen sogar noch einen Dress aus dem Fan-Shop besorgen.
Bender stopfte sich Wattepfropfen in die Nasenlöcher, stürzte sich wieder ins Getümmel und fightete bis zur letzten Minute für den bislang wichtigsten Saisonsieg. Der 24-Jährige wurde zum gefeierten Helden des Abends, denn der zum Innenverteidiger umfunktionierte etatmäßige Mittelfeldspieler stand für den Willen, mit dem die Westfalen Italiens Vizemeister mit 3:1 (1:0) bezwangen und ihre Chancen zum Einzug ins Achtelfinale der Königsklasse wahrten.
"Wir wollten unseren Champions-League-Traum allen Unkenrufen zum Trotz weiterleben. Jetzt sieht es wieder besser aus, aber wir müssen auch bei Olympique Marseille gewinnen", sagte Trainer Jürgen Klopp mit dem Hinweis auf das Gruppen-"Endspiel" am 11. Dezember. Zumindest der vorzeitige Abstieg in die Europa League wurde verhindert.
"Wahnsinn, was er für ein Pech hat"
Dass die Borussen überhaupt weiter träumen dürfen, lag auch an "Eisenschädel" Bender. "Es ist ein Wahnsinn, was er für ein Pech hat. Angesichts seiner gezeigten Leistung war es wichtig, dass er auf dem Platz bleiben konnte. Es war ein Superspiel von ihm", äußerte Klopp.
"Es ist immer wieder aufs Feld, hatte weitere fünf, sechs Kopfbälle gemacht und dabei noch einen Schlag auf die Nase bekommen. Er ist ein absoluter Ausnahmeprofi", sagte Nationaltorhüter Roman Weidenfeller nach dem Anpfiff, als sich der in der 18. Minute verletzte Teamkollege Bender bereits auf dem Weg ins Krankenhaus befand. "Er hat ja inzwischen Übung, mit einer Maske zu spielen", ergänzte Klopp und dachte vermutlich schon an das Bundesliga-Gastspiel am Samstag bei seinem Ex-Klub FSV Mainz 05, denn das Ende der Personalprobleme in der Abwehr ist noch nicht in Sicht.
Dennoch wirkte der BVB-Coach drei Tage nach dem 0:3 im Bundesliga-Hit gegen Bayern München erleichtert - wie alle schwarz-gelben Hauptdarsteller und die BVB-Fans unter den 65.829 Zuschauern in der ausverkauften Arena. Der Fight um den letzten Strohhalm nach zuletzt drei Pflichtspiel-Niederlagen in Folge und der spannende wie erwärmende Spielfilm am kalten Dienstagabend hatte Nerven gekostet.

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