Samstag, 5. Oktober 2013

Hummels' judoreife Fußsichel

Borussia Dortmund verliert zum ersten Mal in dieser Bundesliga-Saison ein Spiel. Dabei führt der BVB den Gegner aus Mönchengladbach lange vor, hat 17:1-Torschüsse zur Pause. Die entscheidende Aktion liefert Nationalverteidiger Mats Hummels: Sein klares Foul ahndet der Schiedsrichter mit Elfmeter und Rot.

Jürgen Klopp bog nach rechts ab, er nahm tatsächlich Platz auf der Trainerbank von Borussia Dortmund, kurz vor der Partie am Samstag gegen Borussia Mönchengladbach. Nun verdient der Fußballtrainer Jürgen Klopp zwar sein Geld damit, die Fußballer von Borussia Dortmund anzuleiten, doch in den vergangenen Tagen und Wochen konnte man durchaus einen gegenteiligen Eindruck gewinnen: Als würde Klopp im Nebenjob für die andere Borussia aus Mönchengladbach arbeiten, in der Marketing-Abteilung.

Am Freitag war Klopp vor den Journalisten geflüchtet. Die Medienschaffenden hatten Fragen zu Joachim Löw und Dortmunds Ersatztorwart gestellt, nicht zum kommenden Gegner: "Boaaah, seid ihr interessiert an Borussia Mönchengladbach", hatte Klopp irgendwann säuerlich geantwortet, "das ist das speziellste Fußballspiel der ganzen Saison und ihr habt keine Frage dazu." Bereits Anfang September hatte Klopp den Gladbachern die inoffizielle Preis-Leistungs-Transfermedaille in Gold verliehen, wegen der Transfers von Max Kruse, Raffael und Christoph Kramer ("Die haben eine Breite, die haben wir so nicht"). Viel hätte nicht gefehlt, und Dortmunds Trainer hätte seine Mannschaft zum Außenseiter herabgestuft, für das speziellste Spiel des Jahres.

Es wurde dann tatsächlich ein spezielles Duell, wenn auch auf eine absurde Weise. Borussia Mönchengladbach führte gegen den BVB die wohl schlechteste erste Hälfte der Saison vor, gewann am Ende aber 2:0 (0:0), durch Tore von Kruse (81.) und Raffael (86.). Gladbachs Trainer Lucien Favre schnaubte nach der Partie, dann sagte er: "Die erste Halbzeit war katastrophal. Der Sieg war fast schon ein Wunder."

Die Partie hatte zunächst nichts Spezielles an sich. Dortmund nistete sich in der gegnerischen Hälfte ein, so wie sie sich in dieser Saison bei jedem Gegner einnisten, der ihnen spielerisch unterlegen ist. Gladbach begnügte sich damit, dem flinken Pierre-Emerick Aubameyang oder dem flinken Marco Reus ab und zu den Ball zu stiebitzen und auf die Tribüne zu dreschen. Ansonsten begutachteten sie die Dortmunder Ballstafetten, und wenn der BVB einmal den Ball verlor, schenkte ihn Gladbach artig wieder her, bevorzugt per Fehlpass.

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