Donnerstag, 10. Oktober 2013

BVB: Zwischen Tempo und Trage

Mit Pressing und Speed fegt der BVB durch die Liga. Die Zugänge zünden, doch das Lazarett und eine Statistik trüben die Stimmung.

Den ersten Angriff startete Borussia Dortmund in einem Londoner Museum.

Der BVB hatte soeben das Champions-League-Endspiel gegen den FC Bayern verloren, da blickte Hans-Joachim Watzke schon nach vorne.

"Wir werden wieder ganz massiv angreifen, da können sich alle sicher sein", sagte der BVB-Geschäftsführer auf der Final-Party im Natural History Museum.

137 Tage später steht fest: Es waren keine leeren Worthülsen.

Das Team von Jürgen Klopp kennt nur eine Richtung: Nach vorn, im Eiltempo und mit dem klaren Auftrag Attacke.

Den DFL-Supercup haben die Borussen bereits geholt, auch in der Bundesliga gab es einen Traumstart.



Bis zum Spiel in Mönchengladbach stand der BVB auf Platz eins, erst dann zog der große Rivale aus München vorbei. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

SPORT1 erklärt, was bei den Schwarz-Gelben bislang gut funktioniert hat – und wo Klopps Baustellen sind.

DIE NEUEN:
50 Millionen Euro gaben die Borussen in der Sommerpause für neues Personal aus.

Der teuerste Zugang war Henrikh Mkhitaryan. 27,5 Millionen überwiesen die Dortmunder an Schachtjor Donezk. Dort war Mkhitaryan der Überflieger – allerdings in der eher mittelklassigen ukrainischen Liga.

In der Bundesliga zeigte der Armenier in Frankfurt und gegen Hamburg Gala-Vorstellungen. Auch wenn seine Formkurve danach etwas nach unten zeigte, passt er perfekt ins Dortmunder Hochgeschwindigkeits-System.

Das gilt auch für Pierre-Emerick Aubameyang. Der Usain Bolt in Stollenschuhen erzielte für seinen neuen Klub schon sechs Tore. Bei konsequenter Chancenverwertung hätte es schon ein zweistelliger Wert sein können.

In der Defensive erledigt der neue Innenverteidiger Sokratis seinen Job schnörkellos und zuverlässig - wenn er denn gebraucht wird. Für die Startelf reicht es bei dem Ex-Bremer noch nicht regelmäßig.

Echte Verstärkungen kamen auch aus dem eigenen Nachwuchs. Erik Durm und Jonas Hofmann empfahlen sich eindrucksvoll für weitere Einsätze.

DER SPIELSTIL:
"Wir bauen eine neue Mannschaft. Eine Pressing-Maschine", kündigte Klopp in der Sommerpause an. Gesagt, getan.

Die Borussen setzen ihre Gegenspieler früh unter Druck und schalten nach Balleroberung blitzschnell um.

Mit Marco Reus, Jakub Blaszczykowski und den neuen Mkhitaryan und Aubameyang könnte der BVB auch eine passable 4-mal-100-Meter-Staffel stellen.

Da die Offensivleute auch gut mit dem Ball umgehen können, erspielt sich der BVB Chancen am laufenden Band.

DIE PROBLEME:
Der BVB liegt nur auf Platz zwölf – was die Chancenverwertung betrifft.

Zwar erzielte der Klub ligaweit die meisten Tore. Für die 21 Treffer benötigte der BVB aber auch 87 Möglichkeiten. Die Quote liegt bei 24,1 Prozent.

Besonders eklatant wirkte sich das am letzten Spieltag vor der Länderspielpause aus: Gegen Gladbach konnten die Schwarz-Gelben keine ihrer 27 Möglichkeiten nutzen und kassierten eine Niederlage.

Zum Chancenwucher kommen personelle Probleme in der Defensive: In den verletzten Lukasz Piszczek Marcel Schmelzer und Sokratis sowie dem gesperrten Mats Hummels fehlt im nächsten Spiel wohl eine komplette Viererkette.

Zudem sind drei der vier Sechser verletzt. In Nationalspieler Ilkay Gündogan fällt der wertvollste Profi aus diesem Quartett auf unbestimmte Zeit aus.

DIE STÖRFEUER:
Robert Lewandowski und kein Ende. In regelmäßigen Abständen melden sich der Pole oder einer seiner Berater zu Wort.

Sie ärgern sich über Dortmunder Verantwortliche, weil diese einen vorzeitigen Wechsel zu Bayern München verhindert haben.

Immerhin: Auf dem Platz schmollt Lewandowski nicht und verrichtet seinen Job als Torjäger.

Differenzen gab es auch mit dem DFB. Nach öffentlicher Kritik an Mats Hummels schlug Hans-Joachim Watzke zurück.

"Wir werden in den nächsten Wochen unsere Antennen ausrichten und unsere Sinne dafür schärfen", sagte der BVB-Geschäftsführer.

Den Dortmundern missfällt zudem, dass Torwart Roman Weidenfeller bei den Nominierungen für die Nationalelf übergangen wird. "Es kann keine sportlichen Gründe geben", sagte BVB-Manager Michael Zorc zu diesem Thema.

DAS SAGT DIE KONKURRENZ:
Bayern-Trainer Pep Guardiola war nach dem ersten Duell vom BVB beeindruckt. "Bei gegnerischen Ballverlusten sind sie unglaublich", sagte der Spanier nach der 2:4-Niederlage im Supercup.

Einen Schritt weiter ging Torsten Lieberknecht. "Wir wissen, welche Herausforderung auf uns zukommt beim kommenden Deutschen Meister, vielleicht", sagte Braunschweigs Trainer vor dem Duell in Dortmund.

Klopp vermutete damals, sein alter Weggefährte hätte "getrunken".

FAZIT:
Dortmund ist auf Kurs. Doch: Die wirklichen Herausforderungen warten in der Bundesliga noch.

Schließlich spielte der BVB bisher fast ausschließlich gegen Teams, die derzeit im unteren Drittel der Tabelle platziert sind.

Endgültig dürfte sich der Weg des BVB am 23. November weisen: Dann kommen die Bayern.

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