Mittwoch, 11. September 2013

Die Vorwürfe gegen die BVB bleiben

Mit den Erklärungsversuchen und Entschuldigungen der BVB-Spitze findet das Drama kein Ende. Die Kritik konnte nicht entkräftet werden. Zudem machen die drei VR-Mitglieder des Grossen Rats eine ganz schlechte Figur.

Es sollte wohl ein Befreiungsschlag nach dem medialen Dauerfeuer der vergangenen Wochen werden. Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath und BVB-Direktor Jürg Baumgartner traten gestern vor die Medien, um zu den Vorwürfen und Problemen um und in den Basler Verkehrsbetrieben Stellung zu nehmen. Beide gaben Fehler zu.

Doch sie schoben diese vor allem mangelnder Kommunikation zu und versprachen artig Besserung (siehe Videos). Ob dieses Versprechen genügt, um die verunsicherten und demotivierten Mitarbeiter wieder aufzurichten, ist fraglich. Denn am eigenen Führungsstil haben die beiden forsch auftretenden Herren offenbar nichts auszusetzen. Vielmehr sehen sie sich immer noch auf dem Erfolgskurs, der sie in die Champions League der europäischen Verkehrsbetriebe bringen soll.

Kritik nicht entkräftet

Vor allem konnten sie an der gestrigen Medienkonferenz die verschiedenen Kritikpunkte der Vetternwirtschaft nicht entkräften. Immerhin gab Martin Gudenrath zu, dass es politisch wohl nicht sehr klug gewesen sei, den eigenen Söhnen zu überdurchschnittlich gut bezahlten Temporärjobs zu verhelfen. Ob dies ein Grund ist, dass der Verwaltungsratspräsident zurücktreten muss, wird von den angelaufenen Untersuchungen der Finanzkontrolle abhängen.

Auch Baumgartners Zukunft ist alles andere als sicher. Sein Sonderstatus innerhalb des Betriebes mit vielen Annehmlichkeiten wie einer bezahlten Dienstwohnung im Schützenmattquartier dürfte kaum eine Motivation für die normalen Angestellten bedeuten. Die Finanzkontrolle wird hier klären müssen, ob alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Und auch die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates wird das Gebaren der BVB-Oberen genau unter die Lupe nehmen. Parallelen zur Misere im Rettungswesen mit Führungskräften, die den Kontakt zur Basis verloren haben, sind gegeben.
Grossräte nahmen Kontrollfunktion nicht wahr

Eine ganz schlechte Figur in diesem seltsamen Spiel machen die drei vom Parlament gewählten Verwaltungsratsmitglieder. Zwei von ihnen stellen sich heute im Grossen Rat keck einer Wiederwahl, obwohl sie mit ihrer Untätigkeit den Beweis erbracht haben, dass sie ihre Kontrollfunktion gar nicht erfüllen können oder wollen. Es hätte mitunter an ihnen gelegen, das BVB-Debakel, das nun bereits über ein Jahr dauert, zu beenden.

Mit den gestrigen Erklärungsversuchen und Entschuldigungen findet dieses Drama kein Ende. Es wurde versäumt, klare Fakten auf den Tisch zu legen und die persönliche Verantwortung wahrzunehmen. Alles nur auf ein Kommunikationsproblem zu reduzieren, ist zu billig, zu inkonsequent und zu unglaubwürdig.

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